Radverkehr aussondiert

Datum: 17. Januar 2018  //  Kategorie: Verkehr und Recht

Radfahrer im Straßenverkehr_umzingelt von Autos

Das Papier der Sondierer der Großen Koalition ist veröffentlicht und das Fahrrad kommt nicht vor. Die Politik hält weiter an der autofokussierten Verkehrspolitik fest. Die Förderung des Radverkehrs ist nicht vorgesehen. Der ADFC ist empört.

Zwar sollen Fahrverbote vermieden und die Luftreinhaltung verbessert werden, doch Alternativen zum Auto haben die Sondierer nicht im Blick. Ludger Koopmann ist im ADFC-Bundesvorstand zuständig für Verkehr und sagt: „Dass SPD und Union mit Gewalt am Verbrennungsmotor festhalten wollen, ist schon ein dickes Ding. Aber dass sie ernsthaft glauben, dass man allein mit Autopolitik und ein bisschen mehr ÖPNV die Städte wieder lebenswert machen kann, ist fatales Wunschdenken von vorgestern. Ohne Fahrrad wird das nichts! Mit dieser GroKo wird Deutschland Stauland Nummer 1!“

ADFC stellt konkrete Forderungen
Der ADFC fordert von der nächsten Bundesregierung: Die Bundesmittel für den Ausbau der Radinfrastruktur auf jährlich mindestens 800 Millionen Euro anzuheben, Radschnellwege umfassend zu fördern und ihnen in Ballungsräumen Vorrang vor dem Autobahnausbau zu geben. Den Kommunen müssen zweckgebundene Mittel für den Ausbau des Radverkehrs zur Verfügung gestellt und die „Vision Zero“ (keine Toten im Straßenverkehr) als oberstes Ziel in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen werden. Alle Forderungen hat der ADFC auf www.radlandjetzt.de zusammengestellt und begründet.

Durch mehr Radverkehr ließen sich, laut einer Studie des Umweltbundesamtes, in Deutschland jährlich mindestens drei Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen (www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/k4451.pdf). Statt diese Chancen zu nutzen, werden im Sondierungspapier die nationalen Klimaziele aufgeweicht. CDU, CSU und SPD gehen davon aus, dass das selbstgesteckte Ziel – bis 2020 40 Prozent weniger Treibhausgasemission im Vergleich zu 1990 – verfehlt wird. Den Parteien geht es nur noch darum, die Lücke zum Erreichen des Ziels so weit wie möglich zu reduzieren.

Radverkehr ist Treiber der Verkehrswende
Wird aber weiter die Dominanz der Autoindustrie in der verkehrspolitischen Debatte unterstrichen und werden die Potenziale des Radverkehrs weiter wie bisher vernachlässigt, lässt sich diese Lücke kaum reduzieren. Der Radverkehr muss als Treiber der Verkehrswende in möglichen Koalitionsverhandlungen eine wesentliche Rolle spielen, so der ADFC.

Mit einer komfortablen Radinfrastruktur ließen sich bis zu elf Prozent der CO2-Emissionen des Personenverkehrs einsparen. Würden die Potenziale des Fahrrads ausgeschöpft, könnte in Deutschland fast jeder dritte mit dem Auto gefahrene Weg ersetzt werden, so die Studie des Umweltbundesamtes – das wären 55 Milliarden Autokilometer im Jahr.

Vorrang für Rad-, Fuß- und öffentlichen Nahverkehr
Ohne einen Umbau der Städte und ohne das Fahrrad gibt es keine Verkehrswende. „Die Verkehrsplanung der Zukunft priorisiert Rad, Fuß und ÖPNV, reduziert Kfz-Verkehrsflächen, legt durchgängige Netze aus breiten, komfortablen Radwegen an – und setzt alles daran, den Bürgern die Alternativen zum Auto so schmackhaft wie möglich zu machen. Dass wir außerdem weniger und zugleich effizientere und emissionsärmere Autos brauchen, steht außer Frage“, so Ludger Koopmann.


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